Wirtschafts-Kommentar von Peter Felser

(zuerst erschienen in der Jungen Freiheit vom 17.08.2017)

Das launische Wetter 2017 mit spätem Frost, langer Trockenheit, Platzregen, Sturm und Hochwasser hat vor allem den deutschen Bauern geschadet. Keine andere Branche ist so stark vom Wetter abhängig wie die Landwirtschaft. Anders als bei der Industrie, ist der Agrarbereich mit seinen Produktionsflächen unter freiem Himmel schon immer besonderen Gefahren durch Naturgewalten ausgesetzt und damit besonderen Schwankungen bei Ertrag und Einnahmen. Das ist ein existenzbedrohendes Risiko, das die Politik mit abfedern muss. Sei es durch direkte Ausgleichszahlungen, sei es durch steuerliche Erleichterungen. Schließlich sind die meisten Ernterisiken kaum versicherbar und man darf die Bauern mit ihren Problemen nicht im Regen stehen lassen.

 

Dieser für die gesunde Ernährung der Bevölkerung so wichtige Berufsstand befindet sich in einer strukturellen Dauerkrise. Jeden Tag wird ein Dutzend unrentabler kleinerer Betriebe aufgegeben. Globalisierung und Marktliberalisierung erhöhen den Kampf um Absatzmärkte und faire Preise. Landwirte besitzen keine großen Rücklagen, um finanzielle Durststrecken aus eigener Kraft zu überbrücken. Doch Geld ist nicht alles. Dem Agrarsektor müssen noch genauere agrarmeteorologische Voraussagen angeboten werden. Die Hersteller von Erntemaschinen müssen noch innovativer werden und Erntetechnik entwickeln, die auch bei Nässe und feuchtem Boden effektiv funktioniert. Dazu könnte mit staatlichen Mitteln die Forschung gefördert werden. Die Finanzpolitik muss den Landwirten mehr steuerfreie Rückstellungen ermöglichen und die EU sollte endlich die Sanktionen gegen den Agrar-Wirtschaftspartner Russland beenden.

 

Zudem muss Schluss sein damit, den Ruf der Bauern durch ideologische Forderungen und überzogene Schuldzuweisungen zu ramponieren. Sie sind weder Tierquäler, noch für den angeblichen Klimawandel verantwortlich, noch für jegliche Grundwasserbelastungen oder Bodenverschmutzungen. Umstellungen in der landwirtschaftlichen Produktionsweise brauchen Zeit und können nicht per Verordnung schlagartig erfolgen.

Eine gemeinsame europäische Agrarpolitik darf nicht zu Lasten bisher gesunder deutscher Betriebe gehen. Wenn es schon das Wetter nicht ist, zumindest die Politik muss für die Landwirte verlässlicher werden.