Unsere Bauern und Landwirte arbeiten mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein für Natur, Umwelt und für die anvertrauten Nutztiere. Dass es Ausnahmen gibt ist unbestritten, wie in jeder anderen Berufssparte auch. Diese konkreten Fälle gilt es zu ahnden, mit allen gebotenen Mitteln des Rechtsstaats. Was nicht sein darf: alle Landwirte unter Generalverdacht zu stellen. Das Bürgergespräch in Kempten hat aber mit einer emotionsgeladenen Debatte genau das bewirkt. Keine der anwesenden Parteien konnte hier ausgleichend wirken, die Vertreter von CSU und SPD haben sich ihrer Verantwortung gleich entzogen, die AfD wurde gar nicht erst eingeladen.

Ja, die gezeigten Bilder sind schwer zu ertragen und ja, eine umfassende Aufklärung ist dringend geboten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und ist gefordert lückenlos aufzuklären.

Starke Gefühlsausbrüche sind angesichts der gezeigten Bilder verständlich. Es gibt sicher nur wenige Menschen, die so etwas kalt lässt. Verständlich ist aber auch der Ärger der Bauern. Mit dieser Veranstaltung wurde ein ganzer Berufsstand in Mithaftung genommen. Die ausgelobten 5.000 Euro Belohnung seitens der „Soko-Tierschutz“ könnte zusätzlich eine Hatz auf alle Bauern und Landwirte auslösen. Das ist nicht nur kontraproduktiv, sondern verleitet geradezu zu illegalen Handlungen.

Um zukünftig derlei Mißstände auszuschließen hilft kein Aktionismus mit „neuen Kontrollstrukturen“, „Kameras“ und weiteren bürokratischen Hürden. Denn Kameras und neue Strukturen helfen nicht dabei, dass es zukünftig kein „Wegsehen“ mehr gibt. Noch mehr Bürokratie stiehlt dem Landwirt noch mehr seiner anderweitig dringend benötigten Zeit.

Die lückenlose Aufklärung bis zu jedem einzelnen Verantwortlichen ist der erste Schritt. Der zweite Schritt muss sein, dass daraus auch Konsequenzen für jeden Einzelnen folgen. Ein Kontrollsystem funktioniert nur, wenn es von integren Personen ausgeführt wird.