Zum heutigen 60. Jahrestag des Mauerbaus dürfen wir uns wieder auf Sonntagsreden der Altparteien „freuen“. Ich frage mich, wie viele von ihnen hierbei tatsächlich auch an Ungarn denken. Wem unter ihnen ist heute noch klar, dass der 19. August 1989 der Anfang vom Ende des geteilten Deutschlands bedeutete?

Als Ungarn nach dem sogenannten „Paneuropäischen Picknick“ schließlich dauerhaft seine Grenzen öffnete und somit ausreisewilligen DDR-Bürgern den Weg in den Westen ebnete. Kommt Ungarn heute tatsächlich die verdiente Anerkennung für seinen damaligen Schritt zu? Für den Schritt, der die weiteren historischen Ereignisse anstieß, die schließlich mit dem Mauerfall zur Freiheit aller Deutschen führte?

Von wegen. Deutschlands Dankeschön hierfür ist vielmehr im Gegenzug der Eingriff in Ungarns Freiheit und seine Werte – insbesondere mit Blick auf Ungarns sogenanntes LBQT-Gesetz. Vom hohen moralischen Ross zeigen Politiker deutscher Altparteien mit dem Finger auf Ungarn und verteufeln das Gesetz, mit dem Ungarn einzig und allein den Schutz seiner Jugend sicher stellen möchte, indem es eine schädliche Frühsexualisierung unterbindet.

Dass Ungarn als souveräner Staat, der obendrein die Entstehung eines freien gesamtdeutschen Rechtsstaates angestoßen hat, selbstverständlich ein Recht auf Selbstbestimmung seiner Werte hinsichtlich Erziehung und Familie hat, dürfen sich deutsche Polit-Moralisten gerade an diesem heutigen Jahrestag gerne hinter die Ohren schreiben. Steht doch der heutige 13. August für den Verlust von Freiheitsrechten von Millionen Deutschen vor 60 Jahren.

Bevor also das nächste Mal wieder im Kollektiv die Regenbogenfahnen mit bösem Blick nach Ungarn geschwenkt werden, sollten diese Kollektiv-Moralapostel einen Moment innehalten – und sich erinnern: Ohne Ungarn kein Mauerfall. Ohne Mauerfall keine Freiheit in einem gesamtdeutschen Rechtsstaat.

Hinzu kommt: Anstatt sich als Demokratie-Lehrmeister für andere Staaten aufzuspielen, sollte Deutschlands Regierung zunächst einmal selbst die Finger lassen von den Freiheitsrechten von 30 Millionen Ungeimpften.

Im Übrigen ist es tatsächlich so, dass Deutschland vielmehr von Ungarn lernen kann.

Denn Ungarns harsch kritisiertes Gesetz ist keineswegs ein „Anti-Homosexuellen-Gesetz“, sondern es sorgt dafür, dass Eltern alleine darüber entscheiden können, wie sie die sexuelle Erziehung ihrer Kinder gestalten wollten. Mit anderen Worten: Sexualität und Sexualerziehung ist Privatsache – dort haben weder Staat noch Öffentlichkeit auch nur irgendetwas verloren. Dies ist eine Realität, die ebenso wenig „cancel-bar“ ist wie der Umstand, dass eine Familie aus Vater, Mutter, Kind besteht.

Gerade der heutige Tag des Mauerbaus vor sechs Jahrzehnten sollte eine Mahnung dafür sein, die Meinungen und Werte anderer zu respektieren. Besonders dann, wenn es sich dabei um Werte handelt, die auch hierzulande entscheidend dazu beitragen würden, Deutschland wieder normal zu machen.