Zum 100. Geburtstag Solschenizyns

Ein mutiger Kämpfer für die Freiheit des Wortes
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, *11. Dezember 1918

Als Solschenizyn aus der Sowjetunion ausgewiesen wurde, bejubelte man ihn im Westen gemäß dem Leitsatz „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. In diesem Schwarz-Weiß-Denken lag zunächst auch sein Erfolg. Dass aber jemand, der das eine System verurteilt, nicht zwangsläufig das andere System gutheißt, wurde dabei übersehen. Solschenizyn aber blieb auch in der Emigration ein Russe, der sein Land liebt. Nur nach und nach stellte man dies bei uns im Westen erstaunt fest. Hinzu kamen seine für uns sehr eigenwillige typisch russische Denkweise und die ungeschminkte Aussprache seiner Überzeugungen. Völlig unvereinbar mit der hier üblichen „Political Correctness“. Seine Vorstellungen von der Zukunft Russlands passten so gar nicht zu den Vorstellungen des Westens. Damit wurde er immer mehr zur Persona non grata, deswegen war es hier auch still um ihn geworden.

Solschenizyns „Archipel GULAG“ hat mich als Jugendlicher sehr stark geprägt. Ebenfalls Viktor E. Frankls „Trotzdem Ja zum Leben sagen“: die Extremsituation in brutalen Lagern zu überleben, ja, als Mensch zu überleben, Mensch zu bleiben – das war und ist für mich die hoffnungsvolle Quintessenz aus deren Werken. Die beiden haben es verstanden, als Überlebende, nicht als Theoretiker, die totalitären Mechanismen des 20.Jahrhunderts zu beschreiben und die Rolle des Einzelnen, die Wirkmächtigkeit des Individuums hervorzuheben.

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