Wenn deutsche Leben am Hindukusch zerbrechen

Wenn deutsche Leben am Hindukusch zerbrechen

Getötete Kameraden, traumatisierte Familien, gebrochene Seelen. Der Afghanistan-Einsatz wird von vielen heimgekehrten Soldaten als Einschnitt wahrgenommen, der das eigene Leben für immer verändert oder zerstört hat. Jedes Jahr erkranken etwa 200 Soldaten an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die überwiegende Mehrheit von ihnen war in Afghanistan. Sie sahen ihre Kameraden sterben, wurden selbst verletzt und entwickelten schwere psychische Erkrankungen. Und gerade, wenn aktuelle Bilder aus Kabul gezeigt werden, stellen sich die Betroffenen immer wieder die Frage: War mein Einsatz umsonst? War das alles nicht absehbar? Musste Deutschlands Freiheit wirklich am Hindukusch verteidigt werden, wo junge Soldaten in einem fremden Land starben und die Zurückgekehrten niemals wieder in ihrem alten Leben ankommen werden?

Alles richtig gemacht und trotzdem versagt – für viele Kameraden mag gerade die Diskrepanz zwischen der politischen und der militärischen Bewertung des Einsatzes schwer zu begreifen sein, denn man kann durchaus militärisch alles richtig machen und trotzdem endet es, wie in Afghanistan, in einem politischen Desaster. Die Sinnfrage, die sich so viele Bundeswehrsoldaten stellen, stellt sich die Politik offenbar nur zögerlich bis gar nicht. Zwar forderte die Wehrbeauftragte Eva Högl unlängst, mit Blick auf künftige, aber auch laufende Bundeswehr-Einsätze wie den in Mali, dass man sich genau überlegen müsse, wo in der Welt sich die deutsche Bundeswehr engagieren soll – und mit welchem Auftrag und mit welchem Ziel, dennoch vermeiden die Regierungsparteien klare Aussagen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Die AfD hingegen zeigt hier klare Kante. Sie lehnt Auslandseinsätze der Bundeswehr weitgehend ab und fordert eine strikte Einhaltung des Nichteinmischungsgebots in innere Angelegenheiten von Staaten. Außerdem tritt sie dafür ein, das Einsatzgebiet der NATO auf das Gebiet der Bündnisstaaten zu begrenzen. Und wenn es um die Zustimmung zu einzelnen Auslandseinsätzen geht, müsse der nationale Nutzen eines Einsatzes in einem angemessenen Verhältnis zu dem Risiko stehen, das die Soldaten tragen. Unsere Soldaten sehen das vermutlich ganz genauso.

NDR-Doku: Das Afghanistan-Desaster: Was denken unsere Soldaten?

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